Hat die Corona-Pandemie und die Erhöhung der Regelstudienzeit um 1 Semester Auswirkungen auf mein BAföG?

Dadurch dass sich die Regelstudienzeit um ein Semester verlängert, verlängert sich auch die Förderungsdauer im BAföG. Dies geschieht automatisch für alle Studierende, die im SoSe 2020, WiSe 2020/21 und SoSe 2021 regulär immatrikuliert sind/waren. Dafür muss also kein extra Antrag gestellt werden. Besonders relevant ist das für Studierende, die jetzt schon über der Förderungsdauer hinaus gefördert werden (also sich in der Verlängerung befinden) oder für diejenigen, die sich gerade im letzten Regelsemester befinden.

Ein Beispiel: Das SoSe 2020 war eurer letztes reguläres BAföG Semester. 

Durch den Erlass seid ihr nun wieder in der Regelstudienzeit und eure Förderungsdauer endet damit erst zum 31.03.2021.

Natürlich geht das nur, wenn ihr auch einen Antrag für dieses Semester gestellt habt. Sollte dieser zunächst wegen Überschreitung der Förderungsdauer abgelehnt worden sein, würde er nun abgeändert werden und ihr bekommt das Bafög für das WiSe 2020/21 nachgezahlt. Auch wenn ihr einen Verlängerungsantrag gestellt habt, kann die neue Regelstudienzeit nun berücksichtigt werden. Gegebenenfalls wäre noch ein Verlängerungsantrag im Anschluss möglich. Dazu meldet euch doch bitte in unserer Beratung.

Habt ihr für das WiSe 2020/21 keinen Antrag mehr gestellt, könnt ihr dies noch schnell nachholen. Allerdings gibt es dann die Leistungen erst ab dem Monat, in dem der Antrag beim BAföG-Amt eingeht.

Muss ich einen Antrag stellen, damit ich ein Semester länger gefördert werde?

Nein, dass müsst ihr nicht. Die Verlängerung der Förderungsdauer um ein Semester geschieht automatisch.

Aber diejenigen, bei denen der Bewilligungszeitraum zum 31.03.2021 endet, müssen – wie gewohnt – einen Folgeantrag stellen. Ihr würdet dann im nächsten SoSe 2021 wie gewohnt weiter BAföG bekommen. Solltet ihr bereits einen Antrag auf Verlängerung für das SoSe 2021 beim Studentenwerk gestellt haben, braucht ihr nichts weiter tun (das Verlängerungssemester wird automatisch umgewandelt zu einem regulären Semester). Anschließend könnte eine Verlängerung ggf. trotzdem möglich sein.

Was ist, wenn ich im Anschluss an meine bisherige Regelstudienzeit Studienabschlusshilfe beantragt habe?

Hattet ihr einen Antrag für Studienabschlusshilfe gestellt, verhält es sich folgendermaßen:

Ein Antrag für ein Semester Studienabschlusshilfe wird automatisch umgewandelt in ein weiteres BAföG-Semester. Anschließend könnt ihr – sofern erforderlich – noch bis zu zwei weitere Semester Studienabschlusshilfe beantragen.

Sofern ihr für zwei Semester Studienabschlusshilfe beantragt hattet, wird ein Semester umgewandelt in reguläre BAföG-Leistungen. Ihr müsstet anschließend einen erneuten Antrag stellen für ein bis zwei weitere Semester Studienabschlusshilfe. Darüber werdet ihr aber vom BAföG-Amt informiert.

Ein Semester Verlängerung reicht mir nicht: Ich habe deutlich mehr Zeit verloren!

Habt ihr durch die Pandemie erheblich weniger Leistungen ablegen können, als mit einem Semester aufgefangen werden, ist es durchaus möglich, dafür eine zusätzliche Verlängerung zu erhalten. Dazu ist es erforderlich, dass einen Verlängerungsantrag zu stellen. Bitte meldet euch diesbezüglich in unserer Beratung.

Meine Förderungsdauer endete bereits im WiSe 2019/20. Kann ich auch noch ein Semester BAföG erhalten?

Für Studierende, bei denen nach dem Wintersemester 2019/20 ihre Förderungsdauer endete, gilt die Verlängerung der Förderungszeit leider nicht. Auch hier wären evtl. Verlängerungsanträge möglich. Bitte meldet euch diesbezüglich in unserer Beratung.

Muss ich durch die Verlängerung der Regelstudienzeit auch den Leistungsnachweis erst ein Semester später vorzeigen?

Nein: die Verlängerung der Regelstudienzeit bedeutet nicht, dass der Leistungsnachweis ein Semester später erbracht werden muss. Dieser muss weiterhin nach dem 4. Semester vorgelegt werden, um weiter BAföG zu erhalten. Es ist aber möglich – und wir raten euch dringend dazu – einen Verlängerungsantrag (d.h. in diesem Fall ein Aufschub des Leistungsnachweises) zu stellen, sofern du aufgrund der Pandemie Leistungen nicht ablegen konntest. Natürlich können auch aus anderen Gründen Verlängerungsanträge gestellt werden, wie wegen Krankheit, Kindererziehung,…
 Diese Verlängerungen wirken sich letztlich auf deine Förderungsdauer aus. 
Wenn ihr dazu noch Fragen habt, meldet euch gern in unserer Beratung!

Meine Eltern oder ein Elternteil sind akut von der Corona-Krise betroffen; sie haben kein oder nur ein stark vermindertes Einkommen. Bekomme ich jetzt mehr BAföG?

Wenn eure Eltern nun, zum Beispiel wegen Kurzarbeit, weniger verdienen, sind eure Chancen auf BAföG-Förderung oder eine höhere BAföG-Förderung größer. Fallkonstellation 1: Wenn du aufgrund des Elterneinkommens bisher kein BAföG erhalten hast, deine Eltern aber jetzt weniger verdienen, kannst du jederzeit einen neuen BAföG-Antrag stellen und mit einer Aktualisierung das aktuelle Elterneinkommen zugrunde legen lassen.
Fallkonstellation 2: Wenn du bereits BAföG erhältst, aber aktuell das Elterneinkommen (zum Beispiel eben wegen Kurzarbeit) geringer ist, kannst du einen BAföG-Aktualisierungsantrag stellen und dein BAföG-Amt prüft die Höhe deines aktuellen BAföG-Anspruches. Grundsätzlich gilt: Wende dich sich für weitere Fragen an das Amt für Ausbildungsförderung Ihres Studenten- oder Studierendenwerks.* 

Bleibt auch jetzt mein Anspruch auf Ausbildungsunterhalt durch meine Eltern bestehen? 

Ja, sofern deine Eltern weiterhin wirtschaftlich leistungsfähig sind; sonst hast du gegebenenfalls einen Anspruch auf BAföG. Auch Selbststudium (Fachliteratur lesen, Recherche für und Schreiben von Hausarbeiten etc.) oder Online-Studium zählen als Studienaktivität, gerade in der jetzigen Situation. Auch müssen deine Eltern ausnahmsweise Verzögerungen und Unterbrechungen deines Studiums und die damit verbundene zeitliche Verlängerung der Unterhaltszahlungen hinnehmen. Bei Verzögerungen und Unterbrechungen der Ausbildung ist der Einzelfall zu betrachten, insbesondere, ob besondere anerkennenswerte Verzögerungsgründe vorliegen. In der jetzigen, für alle völlig unvorhersehbaren, Situation ist eine Verzögerung der Ausbildung, sofern sie auf amtlichen Maßnahmen beruht, völlig unverschuldet. Allerdings sollten Sie die erweiterte vorlesungsfreie Zeit als Zeit für Ihr Selbststudium nutzen.* 

Ich erwäge, wegen der Corona-Krise ein Urlaubssemester zu nehmen. Was muss ich beachten? 

Achtung: Für Urlaubssemester – die ja eine Pause vom Studium sind – besteht kein BAföG-Anspruch, weil ja eben kein Studium betrieben wird! Bitte informiere dich unbedingt vor einem Urlaubssemester, welche Konsequenzen das für Ihre Studienfinanzierung hätte. Möglicherweise bestehen im Urlaubssemester andere Ansprüche auf Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II (Grundsicherung, „Hartz IV“). Aber wichtig ist: Ein Urlaubssemester ist kein Studium; Sie dürfen im Urlaubssemester auch keinerlei Studienleistungen erbringen.*
Bitte informiere dich bei uns in der Beratung.

* https://www.studentenwerke.de/de/content/corona-faqs-der-studenten-und