Das Präsidium plant noch dieses Jahr eine Entscheidung darüber zu treffen, ob an der Universität vermehrt auch in der grundständigen Lehre sogenannte LfbA-Stellen (Lehrkraft für besondere Aufgaben) geschaffen werden. Diese sehen vor, dass die Stelleninhaber_Innen nur noch Lehre, aber keine Forschung mehr leisten. Das bedeutet bei einer vollen Stelle eine Erhöhung des Lehrdeputats von 10 auf bis zu 18 Semesterwochenstunden. Das ist ein Teil eines Trends, Lehre und Forschung zu Lasten des Mittelbaus und der Studierenden zu spalten. Die ganze Struktur der Lehre würde sich verändern. Nicht nur wird ohne Forschungsanteil die Qualität der Lehre sinken und sich weiter verschulen, sondern auch die Auswahlmöglichkeiten der Studierenden werden personell und thematisch eingeschränkt, weil weniger Leute einen Großteil der Lehre übernehmen müssen. Diese Verschiebung beeinflusst auch die Betreuungs- und Prüfungssituationen. Es ist zu befürchten, dass Prüfungen weiter zu geistfeindlichen Standardtests reduziert werden und auf einzelne Bedürfnisse und Sonderfälle weniger eingegangen werden kann.

Wir sind gegen diese vermehrte, unsachgemäße Einführung von LfbA-Stellen, die ein weiterer Schritt zur Verschlechterung der Lehre bedeuten würde. Wir fordern stattdessen weiterhin entfristete wissenschaftliche Mitarbeiterstellen, wo die Einheit von Forschung und Lehre auch in personeller Einheit realisiert ist.

Daher bitten wir um eure Mithilfe: Setzt mit eurer Unterschrift ein Zeichen gegen die vermehrte, unsachgemäße Einführung von LfbA-Stellen. Listen liegen im AStA aus und können hier heruntergeladen werden.

Abgabe zu den Geschäftszeiten im AStA Sekretariat oder im Vorstandspostfach im AStA-Trakt.

Stellungnahme des Mittelbaus im Institut für Philosophie vom 21.11.2019

Der Mittelbau des Instituts für Philosophie spricht sich gegen die Einrichtung von LfbA-Stellen aus. Die Gründe für diese Ablehnung sind wie folgt:

  1. Die Implementierung forschungsbasierter Lehre ist ein erklärtes Ziel der Universität und ihrer Gremien, die entsprechende Formate sollen in den kommenden Semestern in den Modulbeschreibungen und Prüfungsordnungen verankert werden. In ihrem Leitbild spricht die Universität davon, dass sie Forschung und Lehre eng verzahnen möchte. Die Einrichtung von LfbA-Stellen widerspricht diesen Zielen diametral.
  2. Eine Folge davon wird sein, dass die Lehre schematisiert wird, während Fähigkeiten wie selbständiges Arbeiten und Planen aufgrund der Strukturen nicht mehr gut vermittelt werden können. Das liegt nicht daran, dass die Menschen auf solchen Stellen nicht das entsprechende Engagement hätten, sondern daran, dass die Strukturen dieses Engagement sanktionieren. Die Universität Oldenburg bildet zu einem großen Teil Lehrer/innen aus und damit Multiplikatoren, deren Aufgabe es ist, mündige, demokratische Bürger/innen auszubilden. Dazu gehören Kritikfähigkeit und Eigenständigkeit. Um diese Ziele zu erreichen und auch angehenden Lehrenden zu vermitteln, ist die Verbindung von Lehre und Forschung unabdingbar.
  3. Die Einführung von LfbA-Stellen ist eine Maßnahme zur Kapazitätssteigerung auf Kosten der Lebenssituation von im Mittelbau beschäftigten Menschen.
  4. Nicht nur die Forschung wird unmöglich auf solchen Stellen. Es wird nicht möglich sein, dass sich LfbAs an der Antragstellung von Drittmitteln beteiligen, Tagungen oder Publikationen organisieren. Während die wissenschaftlichen MitarbeiterInnen relativ flexibel einsetzbar sind, wird das mit LfbAs nicht mehr möglich sein. Zudem droht eine Spaltung des Mittelbaus.
  5. Keine andere Universität in Niedersachsen sichert die Lehre über LfbA-Stellen. Es ist nicht einzusehen, warum das in der Universität Oldenburg anders sein sollte. Außerdem besteht von Seiten der Landesregierung kein Druck, LfbA-Stellen einzurichten. Bislang sind nicht einmal die Rahmenbedingungen der Mittelvergabe final geklärt: Die Selbstverpflichtung des Landes Niedersachsen wird nach unserem Wissensstand frühestens 2020 veröffentlicht.
  6. Die Gremien der universitären Selbstverwaltung werden auf Instituts- und Fakultätsebene übergangen. Im Protokoll des Fakultätsrat vom 18.09.2019 steht „Laut Auskunft von Frau Ruigendijk ist es bei entsprechender Begründung auch möglich, WM-Stellen einzurichten.“ Auf der Grundlage dieser Aussage hat das Institut für Philosophie den Vorschlag eingereicht, zwei wissenschaftliche MitarbeiterInnen stellen einzurichten. Die Kehrtwende des Präsidiums ist deshalb unbedingt zu kritisieren.
  7. Im Institutsrat wurde zur Kenntnis genommen, dass das Präsidium LfbA-Stellen im Institut einrichten will und entsprechenden Druck erzeugt. Es gibt keinen Beschluss des Institutsrats dazu. Außerdem wurde in der letzten Evaluation auf Empfehlung der Wissenschaftlichen Kommission Niedersachsen (April 2017, S. 73) die Einführung von LfbA-Stellen aus fachlichen Gründen abgelehnt. Die Philosophie, so wie sie in ihrer ganzen systematischen und historischen Breite am Institut für Philosophie vertreten wird, ist eine Wissenschaft, deren Aufgabe darin besteht, die Durchdringung komplizierter erkenntniskritischer, wissenschaftstheoretischer, pädagogisch-didaktischer, ästhetischer, religiöser und sozialphilosophischer Gegenstände und Sachverhalte darzulegen. Das ist mit einer verdichteten und von der Forschung entkoppelten Lehre nicht zu leisten.

Die flächendeckende Einführung von LfbA-Stellen für die Lehre widerspricht also dem Leitbild und der gesellschaftlichen Aufgabe der UOL; sie widerspricht den Zielen des Hochschulpakts; sie widerspricht früheren Zusagen des Präsidiums; und sie widerspricht den fachlichen Anforderungen

nicht nur der Philosophie, sondern auch anderer in der Fakultät IV vertretenen Disziplinen. Die Einrichtung von unbefristeten WM-Stellen stellt demgegenüber die bessere Option dar.

Stellungnahme der Fakultät IV vom 27.11.2019

Der Fakultätsrat nimmt die Stellungnahmen des Mittelbaus der Fakultät zustimmend zur Kenntnis und unterstützt nachdrücklich die Bemühungen des Dekanats, bei der Entwicklung eines Mittelbaukonzepts nicht auf LfbA-Stellen, sondern auf die Schaffung von entfristeten WM-Stellen zu setzen, um forschungsbasierte Lehre in den Studiengängen der Fakultät im Sinne des Leitbilds Lehre der Universität zu ermöglichen. Er kritisiert die vom Präsidium gesetzten kurzen Fristen zur Rückmeldung im Strukturplanungsprozess, die eine demokratische Einbeziehung aller betroffenen Statusgruppen verhindert haben.