Call for Abstracts

Klimawandel und Gesellschaftskritik 

Kongress an der Universität Oldenburg vom 22. bis zum 24. April 2022

In ihrer Komplexität, Größenordnung und Tragweite stellen die Gefahren des Klimawandels andere gesellschaftliche Probleme unserer Zeit in den Schatten. Die Dynamik der Erderwärmung erfordert dringend Maßnahmen. Sonst erreichen wir einen Point of no Return, ab dem (erwartbare) Kipppunkte und Rückkopplungseffekte des Klimasystems menschliches Eingreifen gegen die weitere Erderwärmung unmöglich machen. 55 Jahre nach der Entwicklung des ersten globalen Klimamodells, 50 Jahre nach der ersten Umweltkonferenz in Stockholm und 25 Jahre nach dem Beschluss des Kyoto-Protokolls ergibt sich allerdings die Frage, ob die bestehende Gesellschaft letztlich zu der Bewältigung einer solchen Aufgabe in der Lage ist. Wie ist bei der Allgegenwart des Themas im Privaten wie im Politischen, dem Ausmaß globaler Protestbewegungen und der Existenz verbindlicher multilateraler Beschlüsse zum Klimaschutz der stetige Anstieg der jährlichen weltweiten Emissionen zu erklären? Ist mit Blick auf dieses globale Scheitern von einer Systemimmanenz des Klimawandels zu sprechen? 

Der Kongress soll folgende Fragen behandeln: Welche Rolle spielen die Beziehung von Mensch und Natur, gesellschaftliche Mechanismen und Verhältnisse wie globale politisch-ökonomische Strukturen beim Scheitern der Bekämpfung des Klimawandels? Welche Voraussetzungen wären dagegen für ein Gelingen notwendig?

Wir bitten daher um die Einsendung von Abstracts, die sich thematisch in folgenden Bereichen bewegen, aber auch jenseits davon formuliert werden können:

Naturwissenschaftliche Erkenntnisse über den Klimawandel und deren gesellschaftliche Rezeption

Wie werden die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Problematik des Klimawandels in der gesellschaftlichen Debatte rezipiert? Werden (statistische) Risiken der globalen Erwärmung angemessen bewertet? Welche Konsequenzen lassen sich aus dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand klar ableiten? Wo verbleiben Unsicherheiten? Ist die naturwissenschaftliche Behandlung des Klimawandels vielleicht durch apokalyptisches Bewusstsein überdeterminiert? Wie können bei der notwendigen Vereinfachung der Erkenntnisse in der öffentlichen Debatte die komplexe räumliche und zeitliche Dynamik des Klimawandels und Nichtlinearitäten im Erdsystem angemessen berücksichtigt werden? Welche Zusammenhänge werden dabei möglicherweise verkürzt dargestellt und warum? Wie sind in diesem Zusammenhang die Ziele und Bestrebungen einzelner Klimaschutzbewegungen aus naturwissenschaftlicher Sicht zu bewerten? Warum bestehen naturwissenschaftlich längst überholte Theorien wie die der „Balance of Nature“ oder jene der Fähigkeit der Natur zur harmonischen Selbstregulierung in der Gesellschaft und auch in fachfremden Wissenschaftsgebieten fort? Wie beeinflussen diese Ideologien die Sicht auf den Klimawandel? 

Gesellschaftliches Naturverständnis

Was ist das gesellschaftlich vorherrschende Verständnis von Natur? In welcher Beziehung steht der Mensch zur Natur? Wie hat sich diese Beziehung historisch verändert?  Lassen sich Begriffe wie Ausbeutung und Recht auf das Verhältnis von Mensch und Natur übertragen? Ist Naturbeherrschung moralisch verwerflich oder gesellschaftlich notwendig? Welchen relativen/instrumentellen und absoluten/ästhetisch-symbolischen Wert hat Natur für den Menschen? Wieso ist Umwelt- und Klimaschutz so ein wichtiges Thema? Und wie lässt sich beispielsweise der Zusammenhang von Natur-, Klima- und (völkischem) Heimatschutz beschreiben und erklären?

Klima- und Umweltethik 

Kann das Individuum bei Problemen, die wie der Klimawandel auf kollektiver Praxis beruhen, überhaupt zur Verantwortung gezogen werden? Wie äußert sich die Übernahme von Verantwortung? Warum werden Naturerleben und Konsumverzicht zu modernen Heilslehren? Was können Einzelne sinnvollerweise tun? Was ist Umweltgerechtigkeit? Was ist Generationengerechtigkeit? Wie ist das Verhältnis von Klimaaktivismus zu pazifistischen und zu gewaltsamen Protestformen?

Ökonomische und politische Systemimmanenz des Klimawandels

Wie hängt die Naturzerstörung mit der kapitalistischen Produktionsweise zusammen? Lässt sie sich innerhalb des gegebenen ökonomischen und politischen Systems verhindern? Sind die als „Green New Deal“ betitelten ökologisch orientierten Konzepte einer wirtschaftlichen Transformation dazu geeignet? Weshalb ist die Bekämpfung des Klimawandels trotz der seit Jahrzehnten bekannten Dimension und Dringlichkeit des Problems bisher politisch nicht umsetzbar? Wie entsteht diese Diskrepanz? Und wie bedingen die globalen politisch-ökonomischen Strukturen die zu beobachtende Verschiebung der Problematik ins Private?

Willkommen sind uns Beiträge aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen und fachlichen Disziplinen sowohl von Studierenden, als auch von Promovierenden und Wissenschaftler_innen. Es können Vorschläge für Panels oder einzelne Beiträge eingereicht werden. Abstracts von nicht mehr als 500 Wörtern bitten wir zusammen mit einer Kurzbeschreibung der Person auf Deutsch oder Englisch per E-Mail einzusenden. Vorträge können auf Deutsch oder Englisch gehalten werden und sollten 30 Minuten nicht überschreiten. Wir bitten um die Einsendung der Beitragsvorschläge bis zum 30. Januar 2022 per E-Mail an kongress@asta-oldenburg.de.

Der Kongress wird vom Allgemeinen Studierendenausschuss der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg in Kooperation mit der Forschungsstelle Kritische Naturphilosophie der Universität Oldenburg und dem Rosa Salon veranstaltet.