Lade Veranstaltungen

21. September 2023 | 19:00

Die Veranstaltung muss leider verschoben werden. Ein Ersatztermin wird noch bekannt gegeben.

Esoterik als Alltagsreligion ist gegenwärtig die prägnanteste Manifestation der Schuldabwehr in Ungarn. Als wahnhaftes Phantasma bekam sie Eingang ins neue Grundgesetz (2012) und bestimmt als staatsrechtliche Grundlage das politische und kulturelle Leben. Da sie die Wirklichkeit zu entstellen vermag, wurde sie zur destruktiven Norm, in der Menschengruppen durch gemeinsame Wutprojektionen zueinander finden. Ihr Ziel ist die Herstellung einer kosmisch gesteuerten völkisch-arischen Harmonie, mit einem Homogenitätsversprechen gleich, das nur durch die Entfernung von fantasierten „Lebensunwerten“ erfüllbar zu sein scheint.

Im Vortrag werden die strukturellen Elemente der völkischen Esoterik in Ungarn näher erläutert und dargelegt, warum diese Ideologie mit der von der Orbán-Regierung beschworenen christlich-demokratischen Politik unvereinbar ist.

– Sie propagiert statt christlicher Nächstenliebe „Artenliebe“.

– Sie verkehrt die christliche Lehre radikal in ihr Gegenteil, weil sie die Annahme vertritt, dass die christliche Erlösung versagt hätte, die Gegenwart degeneriert sei, deshalb müsse die Welt durch einen spirituellen, charismatischen Führer erneut erlöst werden.

– Erlösung bedeutet hier nicht die christliche Befreiung von den Sünden nach dem Tode, sondern die Reinkarnation, an der aber nur die „Artgleichen“ teilhaben können.

– In ihr wird das Christentum von seiner jüdischen Herkunft „gereinigt“, selbst Jesus erscheint „entjudet“ als „parthischer Prinz“ und Arier.

Ihr „Universalismus“ ist gegenaufklärerisch-identitär.

Magdalena Marsovszky studierte Kunstgeschichte und Kulturwissenschaften. Sie ist Lehrbeauftragte an der Hochschule Fulda, freie Wissenschaftlerin und Publizistin. Ihre Forschungsthemen sind u. a. die Kulturpolitik Ungarns, Ethnizität, völkisches Denken, völkische Esoterik, Antisemitismus und Antiziganismus.

Die Veranstaltung findet im Kulturzentrum Irgendwo (Amelie-Beese-Straße 8) in Bremen statt.

Die Veranstaltung muss leider verschoben werden. Ein Ersatztermin wird noch bekannt gegeben.